Talking Business Bullshit (Kauderwelsch Teil 3)

Sprache schafft Bewusstsein. Das gilt ja auch und gerade fürs gute alte Business.
In Teil 1 und 2 der “Kauderwelsch Bullshit-Sprech”-Serie haben wir die Grundlagen der sinnfreien Managementsprache kennengelernt.
… und hier gehts jetzt weiter mit dem Bullshit-Sprech. Da hat’s doch jemand auf Youtube schon ganz gut kapiert, wie man als guter Bullshit Boss reden sollte (außerdem sind die Figuren ganz süß). Das ist also eine Videolektion ;-)

Fünf Grundregeln der Bullshit-Sprache Kauderwelsch (Teil 2)

Die Bullshit-Sprache gehorcht fünf Grundregeln:

Erstens. Das Unternehmen macht kompliziert, was auch einfach geht. Es benützt „initialisieren“ an Stelle von „beginnen“, ein Verb, das viel zu banal klingt, „finalisieren“ an Stelle des ordinären „beenden“ und „positionieren“ anstatt dem bodenständigen „platzieren“.

Zweitens. Es wählt sein Vokabular so, dass es sich wichtiger macht, als es wirklich ist. Wörter wie „koordinieren“ oder „optimieren“ klingen bedeutungsvoller als „ausführen“. Im Pantheon der Verben aber thront „entschieden“, dicht gefolgt von „führen“ und „an der Spitze stehen“. Es geizt nicht mit Wörtern auf „enz“: Pertinenz, Kompetenz, Effizienz, Kohärenz, Kongruenz, denn alle diese Wörter verleihen scheinbare Bedeutung.

Drittens. Grammatik betrachtet es als altmodischen Kram. Es missbraucht Redewendungen, bläht die Syntax auf, versieht alles mit einem blechernen Arsenal an technischen und administrativen Begriffen und misshandelt die Wörter. Denn das Unternehmen versteht es meisterhaft, das Deutsche, Französische, etc. auf Abwege zu führen: Es liebt die Verkehrung einzelner Begriffe [… und Pseudo-Anglizismen] .

Viertens. Das Unternehmen verkörpert eine unpersönliche Macht. Es versucht weder zu überzeugen noch zu beweisen noch zu verführen, sondern liefert auf gleichbleibende Weise Tatsachen, in die [angeblich] kein Werturteil einfließt. Mit welchem Ziel? Sie zum Gehorsam zu bringen. Seien Sie auf der Hut, denn schon Goebbels, Hitlers rechte Hand, erklärte, dass er nicht rede, um etwas zu sagen, sondern um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Tatsächlich ist das Neusprech des Unternehmens oft auf halbem Weg zwischen der objektiven, angeblich wissenschaftlichen Behauptung und dem unwiderruflichen Einpeitschen des Slogans angesiedelt. Und heraus kommt dabei:

  • Die Kooperation zwischen den Abteilungen muss zunehmen“
  • Wir müssen uns bemühen, die neuen Verfahrensweisen vor dem Zieldatum des 15. anzukurbeln“
  • Die Umsetzung der durch das Service-Projekt definierten Zielausrichtungen ist und bleibt eine Priorität“.

Fünftens: Diese Sprache benutzt nur überdeutlich markierte und bis in die kleinsten Windungen bekannte Wege. Wenn sie auch von sich aus nichts sagen will, so kann man sie dennoch entziffern: Ein Text oder eine Erklärung offenbart seinen Sinn nur durch die Abweichungen von einem unausgesprochenen Kode. Jede Verletzung der Zeremonie enthüllt etwas. Wenn Sie also nichts besseres zu tun haben, dann können Sie Experte für Phrasendrescherei werden…

(Corinne Maier, 2005, Die Entdeckung der Faulheit: 28-34)

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