Warum die BWL Antworten auf die falschen Fragen gibt.
Rob
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Beiträge von Rob
Talking Business Bullshit (Kauderwelsch Teil 3)
04. Jul
Sprache schafft Bewusstsein. Das gilt ja auch und gerade fürs gute alte Business.
In Teil 1 und 2 der “Kauderwelsch Bullshit-Sprech”-Serie haben wir die Grundlagen der sinnfreien Managementsprache kennengelernt.
… und hier gehts jetzt weiter mit dem Bullshit-Sprech. Da hat’s doch jemand auf Youtube schon ganz gut kapiert, wie man als guter Bullshit Boss reden sollte (außerdem sind die Figuren ganz süß). Das ist also eine Videolektion
Bullshit Sprech – Kauderwelsch vom Feinsten (Teil 1)
10. Jun
Eine oft abschreckende, aber auch teils peinliche No-man’s Sprache
Ich erlaube mir ein ausführliches Zitat aus einem genialen Buch: „Die Entdeckung der Faulheit“ von Corinne Maier. Hier soll es jedoch nicht um Faulheit gehen, sondern um den Sprachgebrauch im Bullshit Business. Lest mal selbst:
Phrasendrescherei
„Das ist Phrasendrescherei auf den Punkt gebracht: das Nullniveau der Sprache, an dem die Worte keinerlei Bedeutung mehr haben.
Das Unternehmen hat nämlich einen Traum: Die menschliche Sprache ist demzufolge nicht etwa ein Fenster zur Welt oder ein Spiegel, wie manche bekloppte Intellektuelle glauben, sondern nichts weiter als ein „Werkzeug“… Die Phantasie einer durchschaubaren, rationalen Sprache, auf die man mühelos Zugriff hat, hat eine regelrechte No-man’s-Sprache hervorgebracht. Diese Sprache, die angeblich keine Leidenschaft und keine Vorurteile kennt und von aller Phantasie gereinigt ist, umgibt alle Behauptungen mit einer Aura rein wissenschaftlicher Neutralität. Die Wörter transportieren keine Bedeutung mehr und bringen die Verbindungen zwischen Ereignissen zum Verschwinden, indem sie die zugrunde liegenden Ursachen verbergen. Die No-man’s-Sprache ist absichtlich nebulös und unverständlich und gleicht am Ende einem obskuren Jargon, der von Pseudowissenschaften abgeleitet ist. Gerade diese Merkmale sind geeignet, ein Publikum zu verführen, das sich umso besser informiert fühlt, je mehr seine Ideen sich ineinander verheddern. Offenbar hält das Unternehmen seine Äußerungen für umso überzeugender, je technischer uns abstrakter sie klingen [...]“
Vorgeblich neutral – Niemand steht als Person dahinter
„Das wahre Problem liegt darin, dass die Sprache des Unternehmens das Individuum verleugnet, indem sie den (persönlichen) Stil verschwinden lässt. Kein Memo, keine Anmerkung darf ihren Urheber verraten. Jeder Text wird poliert, damit das Ritual des Firmenjargons, der für jeden Betrieb kennzeichnend ist, respektiert wird. Eine Art kollektive Ausdrucksweise bildet sich heraus. Um welche Materie auch immer es geht, das Thema wird mit der Straßenwalze platt gemacht. Niemand steht als Person dahinter, das Ergebnis reproduziert nur bereits bekannte Parolen und spricht Sie folglich nicht persönlich an – kein Wunder dass Sie dabei Einschlafen! [...]
(Corinne Maier, 2005, Die Entdeckung der Faulheit: 28-34)
Fünf Grundregeln der Bullshit-Sprache Kauderwelsch (Teil 2)
10. Jun
Die Bullshit-Sprache gehorcht fünf Grundregeln:
Erstens. Das Unternehmen macht kompliziert, was auch einfach geht. Es benützt „initialisieren“ an Stelle von „beginnen“, ein Verb, das viel zu banal klingt, „finalisieren“ an Stelle des ordinären „beenden“ und „positionieren“ anstatt dem bodenständigen „platzieren“.
Zweitens. Es wählt sein Vokabular so, dass es sich wichtiger macht, als es wirklich ist. Wörter wie „koordinieren“ oder „optimieren“ klingen bedeutungsvoller als „ausführen“. Im Pantheon der Verben aber thront „entschieden“, dicht gefolgt von „führen“ und „an der Spitze stehen“. Es geizt nicht mit Wörtern auf „enz“: Pertinenz, Kompetenz, Effizienz, Kohärenz, Kongruenz, denn alle diese Wörter verleihen scheinbare Bedeutung.
Drittens. Grammatik betrachtet es als altmodischen Kram. Es missbraucht Redewendungen, bläht die Syntax auf, versieht alles mit einem blechernen Arsenal an technischen und administrativen Begriffen und misshandelt die Wörter. Denn das Unternehmen versteht es meisterhaft, das Deutsche, Französische, etc. auf Abwege zu führen: Es liebt die Verkehrung einzelner Begriffe [… und Pseudo-Anglizismen] .
Viertens. Das Unternehmen verkörpert eine unpersönliche Macht. Es versucht weder zu überzeugen noch zu beweisen noch zu verführen, sondern liefert auf gleichbleibende Weise Tatsachen, in die [angeblich] kein Werturteil einfließt. Mit welchem Ziel? Sie zum Gehorsam zu bringen. Seien Sie auf der Hut, denn schon Goebbels, Hitlers rechte Hand, erklärte, dass er nicht rede, um etwas zu sagen, sondern um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Tatsächlich ist das Neusprech des Unternehmens oft auf halbem Weg zwischen der objektiven, angeblich wissenschaftlichen Behauptung und dem unwiderruflichen Einpeitschen des Slogans angesiedelt. Und heraus kommt dabei:
- „Die Kooperation zwischen den Abteilungen muss zunehmen“
- „Wir müssen uns bemühen, die neuen Verfahrensweisen vor dem Zieldatum des 15. anzukurbeln“
- „Die Umsetzung der durch das Service-Projekt definierten Zielausrichtungen ist und bleibt eine Priorität“.
Fünftens: Diese Sprache benutzt nur überdeutlich markierte und bis in die kleinsten Windungen bekannte Wege. Wenn sie auch von sich aus nichts sagen will, so kann man sie dennoch entziffern: Ein Text oder eine Erklärung offenbart seinen Sinn nur durch die Abweichungen von einem unausgesprochenen Kode. Jede Verletzung der Zeremonie enthüllt etwas. Wenn Sie also nichts besseres zu tun haben, dann können Sie Experte für Phrasendrescherei werden…
(Corinne Maier, 2005, Die Entdeckung der Faulheit: 28-34)