Als ich bei Business Development zum ersten mal das Potential eines Unternehmens berechnen sollte, war ich schockiert. Man nimmt die Zahlen aus der Vergangenheit, rechnet alles mal Bauchgefühl und verlängert die Statistik mit dem Lineal.

Vergangenheit * Bauchgefühl = Zukunft

Zufälligerweise ging es bei dem Unternehmen um einen Telekommunikationsnetzbetreiber. Da ich mich mit Freifunk beschäftige, war mir klar, dass man so nicht rechnen kann. Durch geteilte öffentliche Netze wird das Unternehmen seine Preisstruktur anpassen müssen. Aber wie schätze ich die Verbreitung des Freifunks ein? Welche neuen Infrastrukturen werden entstehen? Beschleunigt Facebook die Entwicklung?

Das Berechnungsmodell ermöglichte nicht die Berücksichtigung dieser Entwicklungen und die Diskussion über die Zukunft des Marktes war nicht Teil des Kurses. Wer mit Excel ein Lineal an die Statistik anlegen konnte hatte die Aufgabe gelöst.

Bullshit! Die Wirklichkeit hält sich nicht an das Lineal! Auch wenn es immer wieder Statistiken gibt, die rückblickend die Zukunft voraus gesagt haben, liegen 99,9% (nicht empirisch) der Prognosen daneben. Es ist eine Art Lotto mit Modellen. Das Modell, das zufällig die Zukunft richtig berechnete gewinnt den Nobelpreis und wird verwendet. Bis wieder alles anders ist. Wie sah wohl der 10-Jahres-Plan von Daimler aus? In 10 Jahren fliegt unsere Bestechung auf und wir werden 150 Millionen zahlen? Stand in den Prognosen der Plattenfirmen: In 3 Jahren schreibt ein Collegekid ein Programm, das den Verkauf von CDs unrentabel macht? Und hatte die DDR geplant Ende der 80er Jahre pleite zu gehen und sich aufzulösen? Tabellen geben Sicherheit, man hat das Gefühl die Zukunft kontrollieren zu können.

Aber die Welt ist keine Excel-Tabelle und große Entwicklungen hängen von einzelnen Menschen ab, die andere von ihren Ideen begeistern können. Durch das Internet ist es so leicht wie nie, in der Geschichte der Menschheit, eine Idee zu verbreiten. Aber nicht nur im positiven ist die Welt unvorhersehbar. Naturkatastrophen oder einfach schlechtes Wetter, können Prognosen zunichte machen. In der Wirklichkeit hilft der Durchschnitt wenig, wenn es schneit, dann schneits!

Genau mit diesen Fragen setzt sich das Buch: “Der Schwarze Schwan” von Nassim Nicholas Taleb auseinander.

Er beschreibt, dass es zwei grundverschiedene Arten von Verteilungen gibt. Zum einen die Gaußsche Normalverteilung, wie etwa bei der Körpergröße. Bei dieser Verteilung würde der größte Mensch der Welt den Durchschnittswert bei 1000 Menschen nur minimal verändern. Bei der zweiten Art der Verteilung gibt es Extreme, die das ganze Modell durcheinander bringen können. Nimmt man zum Beispiel Bill Gates in eine Vergleichsgruppe mit auf, so hätte jeder im Durchschnitt hunderte Millionen $ Besitz. Kleine Faktoren haben einen zu großen Einfluss auf das Gesamte, als das ein Modell diese Komplexität einfangen könnte.

Für jeden der mit Statistiken und Empirie arbeitet ist dieses Buch ein Pflichtlektüre. Auch wenn in dem Buch nicht die Antwort auf die Frage gibt, wie man ein perfektes Modell erstellt, so schult es zumindest den Blick für Logikfallen.

Bullshit am Rande:

Warum kostet das ebook 24,90€ und das Taschenbuch nur 12,90€?